Lade Veranstaltungen

Rückblick Besichtigung Negrellisteg, Zürich

steelinn Negrellisteg, Zürich

Am letzten Mittwoch folgten 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Einladung der SZS-Mitgliedfirmen Officine Ghidoni und Conzett Bronzini Partner zur Besichtigung des Negrellistegs in Zürich.

Das schlanke, rund 160 Meter lange Stahlbauwerk überbrückt das breite Gleisfeld westlich des Hauptbahnhofs und ist für die Stadt Zürich von grosser Bedeutung: schafft es doch eine komplett neue Fussgängerverbindung der Stadtkreise 4 und 5 zwischen Europaallee und Zollstrasse.

Als Einstieg erläutert Benedikt Ronner von den SBB Immobilien die langjährige Planungsgeschichte des Projektes. Die in einem ersten Wettbewerb 2010 ausgewählte, technisch sehr anspruchsvolle Velo- und Fussgängerbrücke wurde wegen veränderter Rahmenbedingungen und wegen der hohen Kosten nicht umgesetzt. Aus einem Studienauftrag im 2017 ging das Projekt der nun fast fertiggestellten monolithischen, schlanken Fussgängerbrücke von 10:8 Architekten aus Zürich als Sieger hervor. Die Bauherrschaft setzt sich zusammen aus den SBB und der Stadt Zürich, in deren Eigentum das Projekt nach der Fertigstellung übergehen wird.

Gianfranco Bronzini vom Ingenieurbüro Conzett Bronzini Partner aus Chur, welches zusammen mit Diggelmann & Partner die Ingenieursplanung übernommen hat, erklärt den interessierten Zuhörern anschliessend die Details zum statischen Konzept und zur konstruktiven Durchbildung. Die Stahlbrücke lagert auf vier paarweise angeordneten Stahlstützen und an beiden Enden auf den geschwungenen Treppen, die jeweils wie eine Feder wirken. Die Lifttürme, um welche sich die Treppen winden, wirken ausdrücklich nicht als Auflager für die Brücke. Der längs verlaufende Hohlkastenträger verjüngt sich von 1.6 m in der Mitte des Feldes auf 0.7 m am Ende des Brückenträgers. Die Entwässerung erfolgt über eine mittig angeordnete Rinne, welche das Wasser längs im Gefälle zu den Enden im Süden und im Norden abführt. Sehr sorgfältig wurden die Details des Geländers durchdacht: Im Handlauf wird eine dimmbare Brückenbeleuchtung integriert, welche den Gehweg und die Brücke nach aussen erhellt und inszeniert. Als Element des städtischen Plan Lumière wird auch die Fernwirkung der Brücke in der Nacht sorgfältig geplant.

Dr. Uwe Bremen, der verantwortliche Ingenieur von Officine Ghidoni, erläutert das straffe Bauprogramm, welches durch den Corona-Lockdown nicht einfacher einzuhalten war. Die Tessiner Stahlbaufirma hat die vorgefertigten Brückenteile von 4.5 m Breite jeweils nachts per Sondertransport auf der Strasse aus Riazzino angeliefert und konnte den Brückenvorschub planmässig durchführen. Die letzte Montageplattform auf der Seite Zollstrasse wird in der Nacht nach der Besichtigung demontiert und die Montage der geschwungenen, jeweils in vier Teilen vorgefertigten Treppen kann beginnen. Während Uwe Bremen spricht, wird über uns am Brückenträger fleissig geschweisst.

Nach gespanntem Zuhören freuen sich die Besucherinnen und Besucher, die Brücke nun begehen zu dürfen. Über das Gerüst klettern sie hoch über die Gleise, von wo sich eine völlig neue Perspektive auf den Hauptbahnhof und in Richtung Prime Tower bietet. Gianfranco Bronzini und Uwe Bremen beantworten bei einem Spaziergang über die Brücke alle Fragen zur Konstruktion und zum Oberflächenschutz.

Zurück am Gustav-Gull-Platz eröffnen die einladenden Firmen den Apéro. Die Teilnehmenden werden bei bestem Wetter mit einem reichhaltigen Tessiner Buffet und eigenem Wein der Firma Officine Ghidoni verwöhnt.

Wir bedanken uns herzlich bei Officine Ghidoni und Conzett Bronzini Partner für diesen unvergesslichen Nachmittag und wünschen für die Finalisierung des Negrellistegs alles Gute!

Artikel Bau-Auslese, M. Pestalozzi
Fotos