Die ausufernde mediale Debatte rund um die Pantanal-Voliere des Zürcher Zoos erreicht dank der beiden NZZ-Interviews mit Prof. Dr. Andreas Taras und Prof. Dr. Martin Mensinger endlich die notwendige Sachlichkeit.
Dass Prof. Dr. Martin Mensinger nun öffentlich klarstellt, nie ein Prüfmandat innegehabt zu haben, entlarvt die bisherige Berichterstattung.
Doch die entscheidende Frage ist eine andere:
Was wurde ursprünglich beim Stahlbauer zur Offertstellung angefragt und spezifiziert, was wurde vertraglich geregelt – und was wurde schlussendlich in der Bauphase vom Unternehmer gefordert?
Bevor man weitere Schuld zuweist oder Politik und Juristen aktiv werden, braucht es eine fundierte Analyse durch neutrale Bauingenieure.
Gab es nach Auftragserteilung Projekt- bzw. Bestellungsänderungen durch den Bauherrn, die der Baltensperger AG in Form von Mehrleistungsentschädigung vergütet und an eine Fristerstreckung gekoppelt werden müssen? Sind die aktuell geforderten Massnahmen notwendig und verhältnismässig? Gibt es statische Bedenken oder konstruktive Verbesserungsvorschläge?
Die bewährte Schweizer Norm SIA 118 hält für solche Fälle faire Abläufe bereit, die Unternehmer und Bauherren im Normalfall davor bewahren, in eine vergleichbare Situation zu geraten. Warum diese Vorgehensweise nicht zur Anwendung kam, bleibt wohl ein Geheimnis der Verantwortlichen beim Zoo. Für künftige Projekte könnte das Merkblatt SIA2065 «Planen und Bauen in Projektallianzen» eine ausgezeichnete vorbereitende Lektüre sein.
So oder so: Die treuen Fans des Zürcher Zoos, die Sponsoren und die öffentliche Hand haben ein Recht darauf, von Stahlbauingenieuren – und nicht von Branchenfremden Exponenten zu erfahren, was Sache ist: Wurde in der Ausführungsphase durch den Projektverfasser, das Ingenieurbüro Dirk Pfeifer, die ursprünglich ausgeschriebene Konstruktion tatsächlich abgeändert, präzisiert oder um neue Anforderungen ergänzt?
Stahlbauten sind diesbezüglich vergleichsweise einfach zu analysieren.
Aus Plänen, Stücklisten, Toleranzspezifikationen, Prüfplänen und Vermessungskonzepten lassen sich kostenwirksame Vorher-Nachher-Messgrössen ableiten:
• Veränderte Bauteilkomplexität (dreidimensionale Geometrie) gegenüber der Offertphase.
• Anzahl der erforderlichen Einzel- und Montagebauteile
• Blechstärken und Bauteilabmessungen
• Schweissnahtstärken und Schweissnahtlängen:
• Tonnage (kg Stahl)
• Fläche Oberflächenschutz (m²)
Eine neutrale Expertise vermeidet weiteren Schaden und reduziert das Risiko – sowohl für den Zoo als auch für das Unternehmen, welches die Voliere im zweiten Anlauf bauen wird.