RhB Ersatzneubau Castielerviadukt · Untersax/Lüen-Castiel GR






Der Castielerviadukt der Rhätischen Bahn wurde Ende 2025 durch einen Ersatzneubau ersetzt, nachdem jahrzehntelange Hangbewegungen und Ermüdungsschäden die bestehende Konstruktion an ihre Grenzen gebracht hatten. Anstelle einer Instandsetzung entstand ein neues Tragwerkskonzept, das die geologischen Bedingungen konsequent berücksichtigt. Durch die Vergrösserung der Spannweite auf 84 m konnte auf zusätzliche Pfeiler innerhalb der instabilen Rutschmasse verzichtet werden. Ein längsverschiebliches Lager auf der Churer Seite erlaubt kontinuierliche Hangbewegungen ohne Zwängungen, während der Fixpunkt auf der geologisch stabilen Aroser Seite sämtliche Brems-, Temperatur- und Erdbebenkräfte aufnimmt. Die neue Stahlverbundbrücke wurde neben dem bestehenden Viadukt vormontiert, vollständig mit hochfesten Schrauben gefügt und während einer zweiwöchigen Totalsperre seitlich in ihre endgültige Lage verschoben. Das Projekt verbindet geologische Erkenntnisse mit einer robusten, dauerhaft unterhaltsfreundlichen Tragwerkslösung.
- Bauherrschaft: Rhätische Bahn AG
- Tragwerkplanung: Bänziger Partner AG
- Stahlbau: ARGE Schneider Stahlbau AG
Autobahnanschluss als Halbanschluss Bellinzona Zentrum · Bellinzona TI






Das Gebiet Bellinzona Centro ist ein bedeutender Verkehrsknoten der Nord-Süd-Verbindung im Tessin. Der neue Halbanschluss wurde als kompakte, schwebende Plattform mit geringer Bodeninanspruchnahme konzipiert und verbessert Verkehrsfluss sowie Sicherheit. Das Tragwerk besteht aus geschlossenen Cortenstahl-Kästen mit einer Verbunddecke aus Stahlbeton. Diese Bauweise gewährleistet hohe Biege- und Torsionssteifigkeit, wobei Stahl die Zug- und Beton die Druckkräfte übernimmt. Der ringförmige Kreisverkehr bildet das markante Element des Bauwerks. Er wurde aus vier vorgefertigten Segmenten von je rund 160 t gefertigt, mit einem LR 1700 Raupenkran eingehoben und vor Ort verschweißt. Der Bau erfolgte unter laufendem Verkehr auf der A2 sowie neben der bestehenden Brücke. Eine präzise Bauphasenplanung und angepasste Verkehrsführungen ermöglichten Abriss und Neubau bei weitgehend aufrechterhaltenem Verkehr.
- Bauherrschaft: Ufficio federale delle strade USTRA
- Architektur: Studio d’architettura Martino Pedrozzi
- Tragwerkplanung: Consorzio Lurati Muttoni Partner SA, AFRY Svizzera SA
- Stahlbau: Consorzio Officine Ghidoni SA, Ferriere Cattaneo SA
Passerelle des Cigarières pour la mobilité douce · Yverdon-les-Bains VD






Die 2024 fertiggestellte Passerelle «Les Cigarières» verbindet das Bahnhofsareal mit dem nordwestlichen Stadtteil von Yverdon-les-Bains und bildet einen wichtigen Bestandteil einer neuen städtischen Promenade. Die 55 m lange und 5 m breite Fuss- und Velobrücke ersetzt die alte Überführung und integriert zusätzliche Zugänge sowie neue Aufenthaltsbereiche. Ihr elegantes Tragwerk besteht aus einem parametrisch optimierten Stahlkasten mit variabler Bauhöhe, der auf zwei Widerlagern und einem exzentrischen Pfeiler ruht. Die asymmetrische Spannweitenanordnung minimiert die Biegemomente und reduziert den Materialeinsatz. Als erste Brücke Europas wurde sie vollständig aus gewalzten Blechen aus «Green Steel» gefertigt. Der aus recyceltem Stahl und erneuerbarer Energie hergestellte Werkstoff senkt den CO²-Fussabdruck gegenüber konventionellem Stahl um rund zwei Drittel. Die Brücke verbindet hohe konstruktive Effizienz mit Nachhaltigkeit und einer starken städtebaulichen Präsenz.
- Bauherrschaft: Ville d’Yverdon-les-Bains
- Architektur: Brauen Wälchli Architectes
- Tragwerkplanung: Perret-Gentil SA
- Stahlbau: Sottas SA
Koch-Park und Kohlenlagerhalle · Zürich ZH






Die neue Schwarzstahlhalle ergänzt die denkmalgeschützte Rundholzhalle von 1926 im ehemaligen Koch-Areal und schafft eine flexibel nutzbare, überdeckte Fläche für öffentliche und kulturelle Nutzungen. Der Entwurf übernimmt das statische Prinzip des Bestands und entwickelt es mit den Möglichkeiten des modernen Stahlbaus weiter. Die historische Holzkonstruktion bleibt erhalten und wird durch sichtbar rot markierte Zug- und Druckstäbe gezielt ausgesteift. Die neue Halle wird von vier V-förmigen Stahlstützen und einem 5 m hohen Raumfachwerk aus Vierkantrohren getragen. Vorgespannte Zugstangen und auskragende Stahlblechsparren ermöglichen grosse Spannweiten bei geringem Materialeinsatz. Unbehandelter Schwarzstahl nimmt die Materialität der historischen Industriehalle auf und kommt dank konstruktivem Korrosionsschutz ohne Beschichtung aus. Sämtliche Verbindungen sind geschraubt, wodurch die Konstruktion vollständig demontierbar und wiederverwendbar ist – ein konsequenter Beitrag zum zirkulären Bauen.
- Bauherrschaft: Grün Stadt Zürich
- Architektur: PARK ARCH ETH SIA BSA AG
- Tragwerkplanung: Dr. Neven Kostic GmbH
- Stahlbau: Mauchle Stahlbau AG
Titlis Tower · Engelberg OW






Mit dem Titlis Tower entstand auf über 3‘000 m ü. M. ein Beispiel für das Weiterbauen im Bestand. Anstelle des Rückbaus wurde der ehemalige Richtstrahlturm aus den 1980er-Jahren als Tragstruktur weiterentwickelt und für eine neue touristische Nutzung transformiert. Seine robuste Konstruktion aus Stahlbetonkern, Sockel und räumlichem Stahlfachwerk bot die Grundlage für zwei eingeschobene, weit auskragende Raumfachwerke in Stahlbauweise, die Restaurant und Showroom aufnehmen und von einer öffentlichen Aussichtsplattform gekrönt werden. Die neuen Fachwerke wirken als steife Vierkantrohre und ermöglichen grosse Spannweiten sowie stützenfreie Räume bei geringem Materialeinsatz. Offene Stahlprofile, vorgefertigte Module und weitgehend schweissfreie Anschlüsse erleichterten Transport und Montage unter den extremen Bedingungen des Hochgebirges. Das Projekt demonstriert, wie bestehende Tragreserven durch präzise Eingriffe aktiviert und zu einer nachhaltigen, architektonisch eigenständigen Stahlkonstruktion weiterentwickelt werden können.
- Bauherrschaft: Titlis Bergbahnen
- Architektur: Herzog & de Meuron
- Tragwerkplanung: Schnetzer Puskas Ingenieure AG
- Stahlbau: H. Wetter AG
Anerkennungen Prix Acier 2026
Ballfang Baseball-Anlage Heerenschürli · Zürich ZH






Der neue Ballfang auf der Sportanlage Heerenschürli ersetzt die bisherige, bis zu 12 m hohe Anlage durch eine 26 m hohe Konstruktion und erhöht die Sicherheit für Passanten sowie Nutzer der angrenzenden Sportfelder. Die Lösung basiert auf einer materialeffizienten Stahl- und Seilkonstruktion, die sich mit ihrer hellgrünen Farbgebung harmonisch in die Anlage einfügt. Das rund 105 m lange Tragwerk besteht aus zwei End- und fünf schräg gestellten Innenpylonen sowie einem System aus Zugseilen. Ein Kopfseil in rund 27 m Höhe trägt das Netz, während Zug- und Druckkräfte gezielt in die Stahlkonstruktion eingeleitet und Biegemomente minimiert werden. Das 2‘600 m² grosse Polypropylennetz wird über eine speziell entwickelte Seilautomation saisonal abgesenkt, um Vereisung und Windlasten im Winter zu vermeiden. Die Konstruktion verbindet hohe Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit mit maximaler Transparenz und demonstriert die Leistungsfähigkeit moderner Stahl- und Seiltragwerke.
- Bauherrschaft: Grün Stadt Zürich
- Architektur: Nipkow Landschaftsarchitektur AG
- Tragwerkplanung: Dr. Deuring + Oehninger AG
- Stahlbau: Schneider Stahlbau AG
Munotsteg · Schaffhausen SH






Der neue Munotsteg ersetzt die sanierungsbedürftige Stahlbetonbrücke aus den 1960er-Jahren durch eine filigrane Stahlkonstruktion, die sich selbstverständlich in den historischen Kontext der Schaffhauser Festungsanlage einfügt. Mit minimalem Materialeinsatz entstehen Tragwerk, Geländer und Handlauf als eine räumliche Einheit. Zwei seitliche Stahlbögen, integriert in die Staketengeländer, bilden zusammen mit den unteren Kastenträgern das Tragwerk. Die Staketen übernehmen gleichzeitig die Funktion von Geländer und Hängern und leiten die Lasten direkt in die Bögen. Die aussergewöhnliche Schlankheit erforderte aufwendige Stabilitäts- und Schwingungsberechnungen. Vier Schwingungstilger sowie ein Verbundbelag aus ultrahochfestem Beton gewährleisten den Nutzungskomfort. Die rötlich beschichtete Stahlkonstruktion nimmt Bezug auf den Munotturm und überzeugt als zurückhaltendes Stahlbau-Bijou von hoher ingenieurtechnischer Präzision.
- Bauherrschaft: Hochbauamt Stadt Schaffhausen
- Architektur: Ofreia GmbH
- Tragwerkplanung: co-struct AG
- Stahlbau: Pletscher Metallbau AG
Publikumspreis Prix Acier 2026
Hängebrücke «la pendenta» · Disentis/Mustér GR






Die Hängebrücke «la pendenta» überspannt die Rheinschlucht bei Disentis auf einer Länge von 270 m und rund 100 m über dem Vorderrhein. Ihre filigrane Stahlkonstruktion fügt sich ohne Pylone selbstverständlich in die Landschaft ein und reagiert präzise auf die anspruchsvolle Topografie mit 15 m Höhenunterschied zwischen den Widerlagern. Sechs vollverschlossene Tragseile tragen den nur einen Meter breiten Gehweg aus Gitterrosten; die beiden oberen Seile dienen gleichzeitig als Handlauf. Die Horizontalkräfte werden über rückverankerte Bodenanker aufgenommen. Das seitliche Edelstahl-Seilnetz ist nicht nur Absturzsicherung, sondern Teil des Tragwerks: Es leitet Vertikallasten in die oberen Tragseile und reduziert die Biegung der Gehwegträger um rund 50 %. So entsteht ein materialeffizientes, leichtes und zugleich sehr steifes Tragwerk, das sich sensibel in die alpine Landschaft einfügt.
- Bauherrschaft: Verein la pendenta
- Tragwerkplanung: ipz ingenieure + planer AG
- Brückenbau: Jakob AG
- Stahlbau: ARGE Jakob AG, Von Rotz Seilbahnen AG, Huser Stahlbau AG, Pfeifer Seil- und Hebetechnik