Prix Acier 2026 zeichnet acht herausragende Stahlbauten aus

Fünf Auszeichnungen mit dem Prix Acier, zwei Anerkennungen und ein Publikumspreis: Mit der Verleihung des Prix Acier 2026 im Zentrum Paul Klee in Bern wurden herausragende Leistungen in Architektur, Ingenieurbau und Ausführung gewürdigt. Werner Sobek erhielt den Prix Acier Lifetime Award und hielt anschliessend die Keynote.

Mit 59 Einreichungen verzeichnete die zehnte Ausgabe des Prix Acier eine Rekordbeteiligung. Die Jury unter dem Vorsitz von Stefan Cadosch zeichnete fünf Projekte mit dem Prix Acier aus und sprach zwei Anerkennungen aus. In einem Public Voting unter den 18 Finalisten wurde die Hängebrücke «la pendenta» in Disentis/Mustér mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Im prall gefüllten Forum des Zentrums Paul Klee bildete die Preisverleihung den festlichen Abschluss des steelday 2026.
Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen, wie vielfältig Stahl zur Baukultur beitragen kann – vom filigranen Steg bis zur grossen Infrastruktur, vom Weiterbauen im Bestand bis zur neuen Landmarke. Der steelday verband diese Leistungen mit dem fachlichen Austausch innerhalb der Branche.

Acht ausgezeichnete Projekte
Die acht ausgezeichneten Projekte stehen exemplarisch für die Bandbreite des zeitgenössischen Stahlbaus: Brücken und Infrastrukturbauten, filigrane Spezialkonstruktionen, das Weiterbauen im Bestand und eine alpine Landmarke. Die Jury bewertete architektonische Qualität, Ingenieurbaukunst, gesellschaftliche Relevanz sowie Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz.

Preisträger Prix Acier 2026

RhB Ersatzneubau Castielerviadukt · Untersax/Lüen-Castiel GR

Der 84 Meter lange, unterspannte Fischbauchträger verbindet konstruktive Präzision mit einer schlanken Erscheinung. 95 vorgefertigte Bauteile und rund 4 600 hochfeste Schrauben ermöglichten die Montage ohne Baustellenschweissungen.

Fertigstellung 2025

  • Bauherrschaft: Rhätische Bahn AG
  • Tragwerkplanung: Bänziger Partner AG
  • Stahlbau: ARGE Schneider Stahlbau AG

Autobahnanschluss als Halbanschluss Bellinzona Zentrum · Bellinzona TI

Ein geschlossener Ringkasten aus wetterfestem Stahl bildet den neuen Kreisel über der Autobahn. Die vier grossen Segmente wurden unter Verkehr montiert; das Tragwerk vereint Infrastruktur, Stadtraum und technische Robustheit.

Fertigstellung 2025

  • Bauherrschaft: Ufficio federale delle strade USTRA
  • Architektur: Studio d’architettura Martino Pedrozzi
  • Tragwerkplanung: Consorzio Lurati Muttoni Partner SA, AFRY Svizzera SA
  • Stahlbau: Consorzio Officine Ghidoni SA, Ferriere Cattaneo SA

Passerelle des Cigarières pour la mobilité douce · Yverdon-les-Bains VD

Der 52 Meter lange Zweifeldträger wurde parametrisch optimiert. Seine klare Geometrie, die integrale Ausbildung und der Einsatz von Recyclingstahl, der mit erneuerbarer Energie hergestellt wurde, verbinden Leichtigkeit mit einem konsequenten Ressourcengedanken.

Fertigstellung 2024

  • Bauherrschaft: Ville d’Yverdon-les-Bains
  • Architektur: Brauen Wälchli Architectes
  • Tragwerkplanung: Perret-Gentil SA
  • Stahlbau: Sottas SA

Koch-Park und Kohlenlagerhalle · Zürich ZH

Die geschützte Halle von 1926 mit einer Tragstruktur aus Rundholz wurde durch ein Tragwerk aus Schwarzstahl erweitert. Die unbeschichtete, demontierbare Konstruktion steht für Materialeffizienz und das Weiterbauen im Bestand. Das grosse Dach schafft einen vielseitig nutzbaren öffentlichen Raum.

Fertigstellung 2026

  • Bauherrschaft: Grün Stadt Zürich
  • Architektur: PARK ARCH ETH SIA BSA AG
  • Tragwerkplanung: Dr. Neven Kostic GmbH
  • Stahlbau: Mauchle Stahlbau AG

Titlis Tower · Engelberg OW

Der bestehende Turm wird zum Tragwerk und Orientierungspunkt einer neuen Bergstation. Zwei zwölf Meter auskragende Raumfachwerke erweitern ihn mit geringem Materialeinsatz und schaffen neue Aussichts- und Aufenthaltsräume.

Fertigstellung 2026

  • Bauherrschaft: Titlis Bergbahnen
  • Architektur: Herzog & de Meuron
  • Tragwerkplanung: Schnetzer Puskas Ingenieure AG
  • Stahlbau: H. Wetter AG

Anerkennungen Prix Acier 2026

Ballfang Baseball-Anlage Heerenschürli · Zürich ZH

Die 105 Meter lange und 26 Meter hohe Anlage spannt ein rund 2 600 Quadratmeter grosses Netz auf. Ihre filigrane Seil- und Mastkonstruktion lässt sich saisonal absenken und verbindet Funktion, Sicherheit und Präsenz im Stadtraum.

Fertigstellung 2025

  • Bauherrschaft: Grün Stadt Zürich
  • Architektur: Nipkow Landschaftsarchitektur AG
  • Tragwerkplanung: Dr. Deuring + Oehninger AG
  • Stahlbau: Schneider Stahlbau AG

Munotsteg · Schaffhausen SH

Der 24 Meter lange Steg führt vom Munot über den Hirschgraben. Nur 17 Tonnen Stahl, eine schlanke UHFB-Platte und vier gezielt eingesetzte Dämpfer ermöglichen ein zurückhaltendes Tragwerk im sensiblen historischen Umfeld.

Fertigstellung 2025

  • Bauherrschaft: Hochbauamt Stadt Schaffhausen
  • Architektur: Ofreia GmbH
  • Tragwerkplanung: co-struct AG
  • Stahlbau: Pletscher Metallbau AG

Publikumspreis Prix Acier 2026

Hängebrücke «la pendenta» · Disentis/Mustér GR

Mit 270 Metern Spannweite ist «la pendenta» die längste Hängebrücke Graubündens. Sechs vollverschlossene Stahlseile tragen den rund 100 Meter über dem Vorderrhein verlaufenden Steg.

Fertigstellung 2024

  • Bauherrschaft: Verein la pendenta
  • Tragwerkplanung: ipz ingenieure + planer AG
  • Brückenbau: Jakob AG
  • Stahlbau: ARGE Jakob AG, Von Rotz Seilbahnen AG, Huser Stahlbau AG, Pfeifer Seil- und Hebetechnik

steelday: Fachdialog und festlicher Rahmen


Der steelday verband das Fachprogramm am Nachmittag mit der Verleihung des Prix Acier 2026 am Abend. Die Ingenieure Thomas Jäger und Pirmin Jung sowie die Architektin Nayla Mecattaf eröffneten in ihren Referaten unterschiedliche Perspektiven auf den Brückenbau, hybride Konstruktionen und die internationale Architekturpraxis. Die Ausstellung zum Prix Acier im Foyer präsentierte alle 18 Finalistenprojekte und stiess beim Publikum auf grosses Interesse. Während der von Fabian Unteregger moderierten Preisverleihung würdigten Mitglieder der Jury die ausgezeichneten Projekte in kurzen Laudationen. Drohnenfilme zeigten die prämierten Bauwerke aus der Luft; Jeremias Keller am Bass und Florian Favre am Keyboard begleiteten sie live und verliehen der Verleihung eine besondere Dynamik. Anschliessend ging der Abend in ein festliches Galadinner über.

Lifetime Award für Werner Sobek


Mit dem Prix Acier Lifetime Award würdigte das SZS Werner Sobeks Lebenswerk an der Schnittstelle von Architektur, Ingenieurwesen und ressourcenschonendem Bauen. Daniel Meyer hielt die persönliche Laudatio. In seiner anschliessenden Keynote verband Sobek grosse Lebenserfahrung mit umfassendem Ingenieurwissen und einem von Verantwortung für Mensch und Umwelt geprägten Blick. Er stellte den weltweiten Ressourcenverbrauch des Bauwesens in den Kontext von Bevölkerungswachstum und Klimawandel und zeigte anhand eigener Projekte, wie sich der Materialeinsatz durch intelligente Konstruktionen reduzieren lässt. Die Verbindung aus präziser Analyse, konkreten Projekten und persönlicher Haltung verlieh der Keynote eine aussergewöhnliche Eindringlichkeit und machte sie zu einem Höhepunkt des steelday 2026.

Jury Prix Acier 2026

Stefan Cadosch, dipl. Arch. ETH/SIA, Jurypräsident
Patric Fischli-Boson, dipl. Bauing FH/SIA/MBA, Co-Präsident SZS
Doris Leuthard, ehemalige Bundesrätin und Bundespräsidentin, Verwaltungsrätin
Margot Meier, dipl. Arch. ETH/SIA, Vorstandsmitglied SZS, Präsidentin SIA Sektion Basel
Judit Solt, dipl. Arch. ETH/SIA, Fachjournalistin BR, Chefredaktorin Espazium Magazin
Laure Sottas Solenghi, dipl. Bauing. ETH/SIA, Inhaberin Sottas SA Stahlkonstruktion
Prof. Dr. Andreas Taras, Professur Stahl- und Verbundbau ETH Zürich
Dr. sc. techn. Tomaz Ulaga, dipl. Bauing ETH/SIA
Susanne Zenker, dipl. Arch. ETH/SIA, Präsidentin SIA Schweiz


Die siegreichen Projekte und die Finalisten werden ausführlich in der aktuellen Ausgabe 03/26 Prix Acier 2026 des steeldoc, der Bautendokumentation des SZS, präsentiert: www.szs.ch/steeldoc/.

Fotos zum Prix Acier 2026 | Fotos: Endless Memories Photography