Prix Acier Student Award 2019

Mit dem Stahlbau Förderpreis, der sich an Studierende der Architektur und des Bauingenieurwesens richtet, werden die zukünftigen Fachkräfte motiviert, die strukturellen, wirtschaftlichen, ökologischen sowie die ästhetischen Vorteile des Stahls zu erkennen und in ihren Projekten umzusetzen.

Prämiert werden Arbeiten, bei denen Stahl für das Tragwerk oder einen massgeblichen Teil des Bauwerks in überzeugender Weise eingesetzt wird. Zugelassen sind Projekte von Studierenden aller Schweizer Hochschulen, die in den Studienjahren 2017/18 und 2018/19 im Rahmen des Normalstudienplans erarbeitet wurden.

Die herausragendsten Projekte unter den 24 eingereichten Arbeiten, werden mit einer Preissumme von insgesamt CHF 6’000.- sowie Sachpreisen im Wert von CHF 3’000.- ausgezeichnet. Drei Preise und eine Anerkennung werden in diesem Jahr durch die hochkarätige Fachjury vergeben.

1. Preis

Eine Markthalle für Schlieren

Preisträger: Otávio Marques Andrézinho
Studienabschluss: 2019
Fachrichtung: Architektur
Hochschule: ZHAW – Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften,
Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen, Winterthur
Begleitung: Andreas Graf, Martin Sarinen
Laudatio: Daniel Meyer, Dipl. Bauing. ETH SIA SWB

Otávio Marques Andrézinho beschäftigt sich in seiner Arbeit mit einer neuen Markthalle im Zentrum der Stadt Schlieren, mit welcher ein attraktiver Einkaufs- und Begegnungsort geschaffen werden soll. Vier grosse, gefaltete und leichte Schirme mit grosszügigen Auskragungen, welche je für sich als unabhängige Einheit wirken, bilden das Dach der Markthalle. Zusammen mit dem massiven achteckigen Kranz im Erdgeschoss, in welchem sich die Marktstände befinden, entsteht eine räumliche starke Einheit.[su_accordion][su_spoiler title=“weiterlesen“]

Das gesamte Dachtragwerk wird in Stahl hergestellt. Die Schirme werden von je vier Doppelstützen, welche als aussteifende Rahmen wirken, getragen. Die primäre Tragkonstruktion der Schirme besteht aus zwei sich kreuzenden dreiecksförmigen unterspannten Trägern. Das umlaufende geknickte Dachrandprofil wird an den Ecken über Seile in die Mitte zum Dachhochpunkt zurückgehängt. Dem Verfasser ist es gelungen, eine einfache, vorwiegend auf Zug und Druck beanspruchte Struktur zu entwickeln, welche als schlanke und elegante Konstruktion in Erscheinung tritt.

Beeindruckt hat die Jury vor allem die intensive Auseinandersetzung mit der Fügung und der Tektonik des Stahlbaus. Alles ist so, wie es sein muss. Die Fügung der einzelnen Stahlteile ist präzis und abgestimmt auf den Kräftefluss. Man spürt die fundierte Auseinandersetzung des Verfassers mit dem Stahlbau. So erscheinen die Stützen als Rahmenkonstruktion, die Pendelstäbe haben Gelenke an den Enden, biegesteife Anschlüsse sind verschraubt, gelenkige haben Bolzen und kreuzende Seile werden geklemmt. Alles hat seine Richtigkeit!

Otávio Marques Andrézinho erhält den ersten Preis des Prix Acier Student Award 2019 für seinen Entwurf einer Markthalle in Schlieren. Die Jury würdigt den auf allen Ebenen überzeugenden Entwurf, insbesondere aber den gekonnten Umgang mit dem Baustoff Stahl, den sehr hohen Detailierungsgrad und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema der Fügung und Tektonik.[/su_spoiler][/su_accordion]

2. Preis

Down by the Riverside – Lodge der Sinne

Preisträger: Roger Baumer
Studienabschluss: 2022
Fachrichtung: Architektur
Hochschule: BFH AHB, Berner Fachhochschule, Architektur, Holz und Bau, Burgdorf
Begleitung: Charles Job, Victoria Catunda Gross, Florian Berner
Laudatio: Dieter Schwarz, Dipl. Arch. ETH SIA SWB

Roger Baumer setzt sich in seiner Semesterarbeit architektonisch mit einem zeitgemässen Sport- und Freizeitthema auseinander, dem Klettern am Fels und in den Bäumen. Zeitgemäss in dem Sinn, dass die Lodge – als Basis zur Ausübung einer sportlichen Betätigung mit geringem ökologischen Fussabdruck – als Instrument zur Wahrnehmung von Naturphänomenen ausgelegt wird, was ebenfalls zur Sensibilisierung der Sporttreibenden für ökologische Zusammenhänge beiträgt.[su_accordion][su_spoiler title=“weiterlesen“]

Der Projektverfasser setzte eine kleine Serie von abstrakt anmutenden Stahlkonstruktionen differenziert in die Naturszenerie ein:

Die Ausrichtung der Räume mit Tagesaktivitäten erfolgt hauptsächlich auf den Kletterpark mit Fels und Bäumen. Klettern, essen und loungen bilden den inhaltlichen Schwerpunkt der Anlage und sind durch räumliche Dispositionen dergestalt aufeinander bezogen. Lediglich kleine Bereiche der Gemeinschaftsräume öffnen sich auf Kiesbett und Emme.

Die Ausrichtung der Schlafräume erfolgt hin zum Fluss, allerdings gefiltert durch Scheiben aus Milchglas. Dies erhöht die atmosphärische Qualität des Flussraums als Quelle der Ruhe und Erholung.

Konstruktiv arbeitet der Architekt ebenfalls mit kleinstmöglichem Fussabdruck: Auf punktuellen Schraubfundamenten ruhen schlanke Stahlschwerter, welche mit einem Exoskelett aus ebensolchen Rahmen verschraubt sind. Der Cortenstahl der äusseren Erscheinung der Lodge fügt sich überzeugend in die Naturlandschaft ein. Der Innenausbau aus Holz mit roher Oberfläche gewährt eine angenehme Wohnlichkeit.

Roger Baumer gelingt eine poetisch anmutende Synthese von Natur und Eingriff, von Sport und Erholung, von Körper und Geist, herzliche Gratulation![/su_spoiler][/su_accordion]

3. Preis

Passerella ciclopedonale, Mendrisio

Preisträger: Andrea Arzoni
Studienabschluss: 2018
Fachrichtung: Bauingenieurwesen
Hochschule: SUPSI – Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana,
Dipartimento ambiente costruzioni e design
Begleitung: Stefano Bernasconi
Laudatio: Clementine Hegner-van Rooden, Dipl. Bauing. ETH, Fachjournalistin BR

Mit kühnem Brückenschwung verbindet Andrea Arzoni zwei Orte im Mendrisiotto, die von der Autobahnschneise A2 voneinander getrennt sind. Die Agglomeration des Bezirks Rancate und das Zentrum von Mendrisio erhalten damit eine Fussgänger- und Radwegbrücke. Entworfen hat Arzoni eine schlanke Stahlkonstruktion, die sich selbstverständlich in den verkehrsreichen Kontext bettet und sowohl optisch als auch verkehrstechnisch einen Mehrwert schafft.[su_accordion][su_spoiler title=“weiterlesen“]

Dabei waren komplexe Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, und die horizontale und vertikale Linienführung war durch das Lichtraumprofil der Autobahn und durch Hochspannungsleitungen in direkter Umgebung eingeschränkt. Trotz dieser komplexen Ausgangslage verstand es Arzoni, eine gestalterisch überzeugende Lösung zu eruieren. Die Brücke ist im Grundriss mit einem weiten Radius von 284 m dynamisch gebogen. Als Durchlaufträger über vier Felder ist der torsionssteife Hohlkastenquerschnitt über den drei Stützen gevoutet ausgeführt und so auf seine statische Beanspruchung ausgelegt. Dabei sind die drei Stützen als V-Pfeiler in den Brückenträger eingebunden, wodurch ein optisch angenehm wirkender Rhythmus entsteht – sowohl für die Proportionen des Bauwerks selbst als auch für die Verkehrsteilnehmer der Autobahn.

Das Projekt dieser Fussgängerbrücke weist eine beachtliche Bearbeitungstiefe auf, das die projektspezifischen Rahmenbedingungen in einem schlüssigen ingenieurspezifischen Konzept zu vereinen vermag. Die Jury gratuliert Herrn Andrea Arzoni zu dieser ausserordentlichen Bachelorarbeit und dem damit verbundenen dritten Preis. Die Qualität der Arbeit liegt in der sorgfältigen konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Stahl für ein spezifisch zu bearbeitendes Brückenbauwerk und im adäquaten architektonischen Ausdruck.

Dieses Bachelorprojekt zeigt als gelungenes Beispiel auf, welches grosse Potenzial in einer Stahlbrücke liegt, Gestaltung, statische und montagespezifische Effizienz, Wirtschaftlichkeit, Schlankheit und Leichtigkeit in einem Bauwerk zu vereinen.[/su_spoiler][/su_accordion]

Anerkennung

Fussgängerbrücke Grüningen

Preisträger: Patrick Hasler
Studienabschluss: 2019
Fachrichtung: Bauingenieurwesen
Hochschule: HSR Hochschule für Technik Rapperswil
Begleitung: Prof. Dr. Ivan Markovic, Rainer Schaufelberger
Laudatio: Peter Berger, Dipl. Arch. ETH/HTL BSA SIA

Die BIM-basierte Bachelorarbeit für ein Vorprojekt zur Fussgängerbrücke in Grüningen besticht durch den intensiv geführten Prozess mit Disziplinen ausserhalb des klassischen Tragwerksentwurf eines Bauingenieurs.[su_accordion][su_spoiler title=“weiterlesen“]

Patrick Hasler versteht den Brückenentwurf als Teil einer Gesamtbetrachtung, beeinflusst von Ort, Konstruktion und Gestaltung.

In seiner umfangreichen Arbeit setzt er sich mit folgenden Themen intensiv auseinander:

  • Variantenstudium zum Tragwerk und seiner Setzung in der Topografie
  • Nachvollziehbare Entscheidungsfindungen
  • Sorgfältige Dimensionierung und Detailausarbeitung
  • Detailgestaltung wie Knotenpunkte, Geländer oder Lichtführung
  • Montageprozesse

Der Autor ist sich bewusst, dass der Entwurf einem Wechselspiel von gestalterischen, konstruktiven und nutzungsspezifischen Anforderungen ausgesetzt ist. Zum Erreichen der Ziele und seiner kritischen Überprüfung nutzt er geschickt intelligente Planungs- und Arbeitstools, bzw. macht erste Erfahrungen damit.

Aus den Daten eines Drohnenflugs erstellt er ein Geländemodell und mittels weiterer Software gelingt ihm eine realistische Darstellung der Brücke in ihrem Kontext. Kurze Videosequenzen vervollständigen die Präsentation.
In der kritischen Beurteilung seiner Arbeitsschritte kommt seine Sensibilität für den Brückenentwurf positiv zur Geltung.
Und nicht zuletzt gelingt es Patrick Hasler auch, seine Arbeit übersichtlich und gut gestaltet aufs Papier zu bringen.

Er erhält die Anerkennung des Prix Acier Student Award 2019 für seinen schönen Tragwerksentwurf, vor allem aber für seine Sensibilität für Ingenieurbaukunst, für seine Lust, Neues zu testen und für seine gesamtheitliche Arbeitsweise.

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Die Jury

Die hochkarätige Fachjury des Prix Acier Student Award setzt sich aus folgenden Personen der Bereiche Architektur und Ingenieurwesen zusammen:

Peter Berger

Dipl. Arch. ETH/HTL, BSA, SIA
Jurypräsident

Peter Berger ist Professor
für Entwurfstheorie und Bautechnik an der Berner Fachhochschule in Burgdorf. Er ist Teilhaber und Partner des Architekturbüros Theo Hotz AG in Zürich.

Clementine Hegner-van Rooden

Dipl. Bauing. ETH / Fachjournalistin BR
Jurymitglied

Clementine Hegner-van Rooden ist selbstständige freie Fachjournalistin, Korrespondentin bei TEC21 und Chefredaktorin der Website für die Gesellschaft für Ingenieurbaukunst.

Daniel Meyer

Dipl. Bauing. ETH/SIA/SWB
Jurymitglied

Daniel Meyer ist Professor für Stahlbau an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Win-
terthur. Er ist Verwaltungs-
ratspräsident und Geschäfts-
leitungsmitglied des Ingenieurbüros Dr. Lüchinger + Meyer AG in Zürich.

Alain Nussbaumer

Prof. Dr. dipl. Ing. EPF/SIA
Jurymitglied

Alain Nussbaumer ist Direktor des Institutes ICOM der EPFL und Professor für Stahlbau an der ETH Lausanne.

An der Jurierung krankheitshalber entschuldigt.

Dieter Schwarz

Dipl. Arch. ETH/SIA/SWB
Jurymitglied

Dieter Schwarz ist Inhaber
des Architekturbüros raumlabor.ch in Zürich und Verwaltungsrat der UNAS Technology AG.

Fotogalerie Preisverleihung Prix Acier Student Award 2019

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